JHIAD!

MAGAZINE ABOUT DATA SECURITY

Strip-Tease im Namen des Terrors

Wir haben uns an unsere „informationelle“ Entmündigung gewöhnt. Aus wirtschaftlicher Sicht, sind wir als Kunden auch nur noch Risikofaktoren, die es einzuschätzen gilt. Aber da sich ja sowieso bereits ein digitaler Datendunst aus der Offenbarung innerster Gefühle via Internet über das Land verteilt hat, stört sich auch niemand mehr daran, dass uns durch die stetige Erhebung, Speicherung, Übermittlung und Auswertung persönlicher Daten langsam die Kontrolle darüber entgleitet, wer wann was über uns weiß – „Wir haben ja nichts zu verbergen“.

“Privacy is no longer a social norm.”Mark Zuckerberg

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NICHTS ZU VERBERGEN

Dass wir bereits auf dem besten Weg hin zum Präventionsstaat sind, mag von daher für manche vielleicht schon gar keine sensationswürdige Neuigkeit mehr sein. Hört man doch schon lange von „Rasterfahndung“, „Online-Durchsuchung“ oder „Vorratsdatenspeicherung“– ein alter Hut quasi, so wie das bisschen BSE was man uns vor einigen Jahren ins Rindfleisch gemischt hat. Schon damals halfen spontane Weisheiten – wie: „was uns nicht umbringt, macht uns nur härter“ – solche Bedrohungen herunterzuspielen bis die Medien schließlich nicht mehr davon berichteten. Aus den Augen aus dem Sinn.

Für die aktuelle Datenschutzbedrohung hat sich das populäre Argument „Ich habe nichts zu verbergen“ herumgesprochen; und wenn man damit dann die Lufthoheit am Stammtisch innehat, schießt man gleich noch ein „Datenschutz ist Terroristenschutz“ hinterher. Kaum ausgesprochen fühlt man sich auch schon besser, denn irgendwie glaubt man ja auch daran. Das Schema ist das selbe: Herunterspielen der Angstszenarien, die seit dem 11.September um uns herum aufgebaut werden.

“Datenschutz ist Terroristenschutz.”

Ähnlich argumentativ apathisch wird sich verhalten, wenn es um neue Befügnisse für Sicherheitsbehörden geht: Sind die Verantwortlichen auf der Suche nach der „passenden“ Norm nicht fündig geworden, reagieren sie gemeinhin in zwei Reaktionsmustern: Entweder beklagt man: „Der Datenschutz verhindert wieder einmal …“ oder „Hier ist der Gesetzgeber gefragt“ – wobei nicht einmal hinterfragt wird, ob sich der angestrebte Zweck vielleicht auch auf anderem Wege, also ohne oder mit weniger Daten erreichen ließe.

Die Befürworter neuer Befugnisse verweigern sich auch hartnäckig der Forderung, den Nachweis für die Wirksamkeit der geplanten neuen Maßnahmen anzutreten und dabei zumindest deutlich zu machen, wie sich hierdurch die Anschläge hätten verhindern lassen. Der Beweis hierfür steht immer noch aus.

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Magazin über die Zentralisierung von persönlichen Daten, aktuelle Gesetzesbeschlüsse und mögliche Zukunftsszenarien.

University Studie, Course: “Sensations”
Betreuung: Prof. Ulysses Voelker
Concept, Design and Production in collaboration with Christian Lerch

Concept, Design & Layout

University of Applied Sciences, Mainz 2010